Jesus Christus und sein Judesein

Die kürzlich veröffentlichte Dissertation von Martin Steiner beleuchtet die historische Ausblendung der jüdischen Identität Jesu in der christlichen Theologie und zeigt auf, warum es essenziell ist, diese Perspektive in eine zeitgemässe Christologie zu integrieren.

Über Jahrhunderte hinweg wurde die jüdische Herkunft Jesu in der christlichen Theologie weitgehend ignoriert. Erst nach der Shoah setzten sich neue christologische Ansätze durch, die Jesus auch als Juden ernst nahmen. Martin Steiner greift diese Entwicklung auf und widmet sich in seiner mit dem Dissertationspreis der Theologischen Fakultät prämierten Arbeit dem Judesein Jesu.

Im ersten Teil seiner Dissertation analysiert er die Konferenz von Seelisberg (1947), die eine wegweisende Neubewertung der jüdischen Identität Jesu anstiess und die christliche Theologie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachhaltig prägte. Der zweite Teil widmet sich zentralen Werken der jüdischen Jesusforschung des 20. Jahrhunderts und ihrer Bedeutung für die (christliche) Theologie. Im abschliessenden dritten Teil zeigt Martin Steiner auf, wie eine Christologie, die für Antisemitismus sensibilisiert ist, das Judentum Jesu als unverzichtbaren Bestandteil des christlichen Bekenntnisses zum «wahren Menschen und wahren Gott» begreifen kann. Dabei plädiert er für die Entwicklung einer dialogorientierten Christologie als Grundlage für einen respektvollen Umgang mit der jüdischen Identität Jesu.

Betreut wurde die Dissertation von Prof. em. Dr. Verena Lenzen. Die Drucklegung wurde durch das Prorektorat Forschung der Universität Luzern und die Stiftung «Dr. phil. Josef Schmid, Staatsarchivar von Luzern, und Frau Amalie Schmid-Zehnder» des Kantons Luzern finanziell unterstützt. Ebenfalls erfolgte eine Open-Access-Publikationsförderung durch den Schweizerischen Nationalfonds.

Bericht zur Thematik im Uni-Magazin vom 17. Januar

Martin Steiner
Jesus Christus und sein Judesein. Antijudaismus, jüdische Jesusforschung und eine dialogische Christologie
Kohlhammer, Stuttgart 2025
Mehr Infos (Verlagswebsite)

Die Dissertation steht auch Open Access zur Verfügung.
 

Präsentation der Doktorarbeit

Am Mittwoch, 26. März, findet die Präsentation und Buchbesprechung von Martin Steiners Doktorarbeit statt. Für die Teilnahme wird um Anmeldung gebeten. 

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